Donnerstag, 14. Mai 2026
Manfred macht sich nach dem Frühstück auf den Weg, Stecker und Geld zu organisieren. Auch ein Friseur soll Arbeit bekommen. Ich steige auf das Dach, wo es eine Sauna und einen kleinen Pool, nebst einer Bar gibt. Dort oben treffe ich ein Ehepaar aus der Schweiz an. Er Berner, sie Chilenin.
Manfred kommt gestylt zurück und bringt einen funktionierenden Stecker und Bargeld.
Wir müssen um 14 Uhr bei der Metrostation Poblado sein. Wir laufen 15 Minuten. Es riecht nach Frittieröl und Abgasen. Unsere Tourguide Nathalie nimmt uns in Empfang. 4 Stationen, dann umsteigen und nochmals 8 Stationen. Mit dem Bus fahren wir auch einige Stationen. Da darf man keine Mimose sein. Gibt der Chauffeur Gas, drückt es einem nach hinten in den harten Sitz. Bremst er, landet man beinahe auf seinem Schoss. Das geschieht nicht alle paar Kilometer, sondern alle paar Meter. Das dritte Fortbewegungsmittel ist die Drahtseilbahn in die Comuna 13. Der einst schlimmste Stadtteil den Medellin je hatte.










Nathalie hat uns erzählt, wie diese Kommune aus armen Landarbeitern, die ein besseres Leben suchten, entstand und wie sie zum Drogenschmugglerstadtteil mit rivalisierenden Banden verkam. Unter Pablo Escobar wurden tausende unschuldige Einwohner exekutiert, drangsaliert und vertrieben. Die Regierung schaute zu bis zum Oktober 1993, denn sie war selbst zum Teil in den Drogenschmuggel involviert. Drogenschmugglerbanden, Paramilitär, Militär und Polizei lieferten sich einen richtigen Krieg in der Comuna 13. Militär und Polizei hatten alle Strassen mit Panzern abgesperrt. Niemand konnte den Stadtteil verlassen. Mit Helikoptern flogen sie über das Gelände und schossen mit Maschinengewehren wahllos in die Häuser. Das war ein richtiges Gemetzel. Escobar wurde im Dezember 1993 bei der Flucht über die Dächer eines anderen Stadtteils erschossen. Danach wurde in der Comuna 13 aufgeräumt und heute ist sie die Touristenattraktion Nummer eins in Medellin.



Wir bekommen typisches Medellin Essen vorgesetzt. Sehen eine Tanzshow junger Männer und bekommen hoch oben ein Bier serviert. Während wir durch die Comuna laufen, wird uns jedes Graffiti erklärt. Jedes Bild hat eine bestimmte Bedeutung. Wir laufen über viele Treppen hinunter. Hinauf sind wir zum Teil mit einer Rolltreppe gefahren. Sie ist in 6 Teilen gebaut. Wäre sie an einem Stück, wäre sie die zweitlängste Rolltreppe der Welt. Als wir im Hotel ankommen, wird es schon dunkel. Wir sind total nassgeschwitzt durch die Hitze und Feuchte. Nach einer erfrischenden Dusche gibt es auf dem Dach einen Apero und im Restaurant vis-a-vis Abendessen. Es fängt doch tatsächlich an zu regnen. Auch in Medellin hat es seit ein paar Tagen nicht mehr geregnet, obwohl immer noch Regenzeit ist.


































