Montag, 10. November 2025
Der Tag fängt mit Chaos an. Gestern Abend wurde unser Besuch im Theater Colon von 11 Uhr auf 13 Uhr verschoben, wegen Demonstrationen falle die Führung aus. Das ging für uns aber nicht, da wir um 14 Uhr eine Führung im Palacio Barolo gebucht hatten. Der Kontakt meldete sich nicht mehr. Dazu erfuhren wir, dass das Schiff mit unserem Camper noch mehr Verspätung hat.
Wir wollen wissen, ob tatsächlich keine Führung stattfindet. Beim Theater Colon herrscht reges Treiben und die Führungen finden statt. Wir versuchen unseren Kontakt zu erreichen. Er müsste uns die bezahlten Tickets senden. Doch da Büro öffnet erst um 14 Uhr. Das heisst, wir können uns die Führung ans Bein streichen.
Wir laufen Richtung Palazo Barolo bis zum Justizpalast. Dort brauchen wir dringend einen Kaffee. Die Fenster des Cafés haben verdunkelte Scheiben. Ein Mann stellt sich draussen genau vor mich hin. Er liest ein Plakat, das an der Scheibe klebt. Ich drinke drinnen meinen Kaffee. Vor meinem Gesicht bohrt er genüsslich in der Nase. Wenn der wüsste!
Beim Palacio Barolo fragen wir zuerst, ob das, was auf unserem Handy als Eintrittskarte gespeichert ist, auch gültig ist. Wir bekommen eine positive Nachricht.


Der Palacio mit 22 Stockwerken, wurde nach 4 Jahren Bauzeit 1923 fertig gestellt. Er war damals das höchste Gebäude Südamerikas. Luis Barolo, ein italienischer Einwanderer, der durch Strickwaren reich wurde, gab den Auftrag zum Bau. Auch der Architekt stammte aus Italien. In Wikipedia steht: Der Palacio Barolo wurde entworfen im Einklang mit dem Kosmos, wie er in Dantes Alighieris Göttlicher Komödie beschrieben wurde. Die 22 Etagen sind in 3 Sektionen unterteilt. Der Keller und das Erdgeschoss repräsentieren die Hölle, die Etagen 1 bis 14 das Fegefeuer und 15 bis 22 den Himmel. Die Höhe von 100 Metern entspricht den 100 Gesängen der Göttlichen Komödie. Ende Zitat.
Im Erdgeschoss befindet sich ein Restaurant. Wir essen dort, also in der Hölle und Manfred meint: «Wenn die Hölle so aussieht, könnte ich dort gut leben!»






Der Palacio ist ein reines Bürogebäude. Die Büros sind sehr klein. Toiletten gibt es nur im Korridor, wo auch die einzigen Wasserleitungen verlegt sind. Daher könnte man ohne grossen Aufwand keine Wohnungen einbauen. Der Bau besteht aus Beton. Der Lift kommt aus der Schweiz! Wir können nicht feststellen von welcher Firma. Bis zum 14. Stockwerk fährt der Lift, dann heisst es Treppen steigen. Im 20. Stockwerk kann man im Turm auf kleine Balkone nach draussen stehen und die Aussicht geniessen. Ueber eine enge Treppe kommt man zu einem Licht, wie in einem Leuchtturm. Er soll das göttliche Licht darstellen und wird nachts eingeschaltet. Unser Guide sitzt dort oben vor dem offenen Fenster, was bei mir trotz Hitze Hühnerhaut produziert.
Wir sprechen mit einem Rumänen-Deutschen. Er und seine Frau machen auch gerne Ferien mit dem Camper. Er möchte im Winter zum Nordkap fahren und fragt uns nach unseren Erfahrungen. Vor lauter Ticketsalat, habe ich doch tatsächlich vergessen ein Bild vom Palacio Barolo zu machen und muss eines vom Internet herunterladen.












Das bekannte Café Tortoni ist unser nächstes Ziel. Dort muss man in einer Schlange warten, bis man eintreten kann. Wir machen Bekanntschaft mit dem schottischen Ehepaar Hassan und Shirley. Wir plaudern eine gute Stunde miteinander und geniessen den Nachmittag. Morgen verlassen wir Buenos Aires und fahren mit den Fähre über den Rio Plata nach Montevideo.







